Conero Ross(o)ini: eine schöne Komposition!

Denken Sie beim Stichwort Rossini an einen Wein? Und bei Montepulciano an einen Wein aus den Marken? Eben, es ist ein bisschen schwierig, denn Ihnen werden wohl der grosse Komponist und das pittoreske Städtchen in der Toskana mit seinen Vini nobile in den Sinn kommen.

Wenige Kilometer südlich von Ancona, der Hauptstadt der Marken, ein Hafenstädtchen mit 100’000 Einwohnern aber einem riesigen Hafen, erhebt sich der Berg Conero mehr als 500 m steil über das Meer. Die Ausblicke von seinen unter Naturschutz stehenden Klippen sind atemberaubend und pittoresk. Auf seiner Westseite ist der Conero aber viel sanfter und bietet ein ideales Terroir für den Weinbau. Angebaut wird hier schwergewichtig die Traubensorte Montepulciano, die ihren Namen zwar tatsächlich vom Städtchen in der Toskana erhalten haben soll, dort aber nicht mehr angebaut wird (der Vino nobile wird aus einem speziellen Klon der Sangiovese-Traube erzeugt).

Die Klippen des Monte Conero, südlich von Ancona – fast wie der Kreidefelsen von Rügen…
Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist conero-landschaft.jpg.
… und hier die sanfte Rückseite des Conero mit seinen Weinbergen, unweit der Conero Rosso-Hochburg Camerano. Von hier sind es Luftlinie kaum 2 Kilometer bis ans Meer.

Bekannt ist die Sorte in unseren Breitengraden vor allem durch den Montepulciano d’Abruzzo, einem etwas südlicher gelegenen Anbaugebiet. Diese Weine gelten als fruchtig und farbintensiv – aber eher harmlos. Dieses Vorurteil ist so nicht mehr angebracht – und es gilt erst recht nicht für die besten Rossi Conero aus den Marken.

Das kleine Gebiet zählt nur rund 240 Hektar Rebfläche. Seit 1967 besitzt es die DOC, und seit 2004 teilweise auch die DOCG. Die Regelung ist sehr speziell: Während der „normale“ Conero Rosso weiterhin die DOC trägt, dürfen Riservas als DOCG vermarktet werden. Und besonders interessant: Es gibt für die Riservas keine Mindestausbauvorschriften. Vorgegeben ist hingegen allen Rossi Conero, dass mindestens 85 % Montepulciano verwendet werden müssen (als allfällige Ergänzung sind andere in Marken zugelassene Sorten erlaubt, faktisch handelt es sich fast immer um Sangiovese).

Genug der Theorie, zur Praxis: Es lohnt sich im Restaurant fast überall, den Kellner nach einem Wein-Tipp zu fragen. Mir scheint aber, dass diese Regel in Italien ganz besonders gilt. Wir waren zehn Tage unterwegs, und fast immer bat ich um eine Empfehlung eines lokalen Weins. Und nie wurde ich enttäuscht – im Gegenteil, ich habe wundervolle Entdeckungen machen dürfen† – und feststellen, dass unbekannte Weine aus der Emilia Romagna oder eben den Marken mehr als nur bemerkenswert sein können.

Der Wein ist toll, und das Wortspiel lustig: Conero Ross…. ini, in Anspielung an den Komponisten aus den Marken.

Einer davon ist der Rosso Conero Riserva (also DOCG) „Rossini“ 2012 – der Kellerei Piantate Lunghe. Ich erwartete einen süffigen, fruchtigen Montepulciano (wobei natürlich allein schon der Jahrgang gegen eine jugendliche Frucht sprach) – und erhielt einen dunkelbeerigen, würzigen, sehr gut strukturierten, kräftigen aber eleganten Wein mit feinen Tanninen und sehr schön eingebundenen Holztönen! Niemals hätte ich blind auf einen Montepulciano getippt, dafür hatte diese Riserva einfach zu viel Tiefgang und Finesse. Schon eher wäre mir Blaufränkisch in den Sinn gekommen oder, auch wenn die Aromen nicht ganz stimmten, Mondeuse oder gar Syrah.

Piantate Lunghe befindet sich auf dem Gemeindegebiet von Ancona, aber unweit der Conero-Hochburg Camerano, und damit auf der Westseite des Monte Conero – und in dessen Windschatten in einem besonders vorteilhaften Mikroklima. Das Weingut umfasst rund 8 Hektar Reben in Südlagen und stellt drei verschiedene Weine her, wobei die hier beschriebene Riserva „Rossini“ die Spitze darstellt (100 % Montepulciano, im Holz vergoren und 17 Monate in Barriques ausgebaut, wovon 50 % neu). Der Wein ist absolut überzeugend und zeigt, dass wir uns alle viel mehr auch mit unbekannten Rebsorten und Appellationen befassen sollten. Einzig mit dem Namen „Rossini“ schmückt sich das Weingut ein klein wenig mit fremden Federn. Gioachino Rossini stammte zwar tatsächlich aus dem Marken, geboren wurde er aber nicht in Ancona, sondern in Pesaro, etwa 50 Kilometer nördlich.

http://www.piantatelunghe.com/

Bezugsquelle (in CH/D/A habe ich keine Händler gefunden, lediglich die italienische Firma Tannico, über die der Wein bestellt werden kann – aber vielleicht „googlen“ Sie ja besser als ich)
https://www.tannico.ch/conero-docg-rossini-2013-piantate-lunghe.html

2 Gedanken zu “Conero Ross(o)ini: eine schöne Komposition!

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