Im Schatten der grossen Nebbiolo-Weine aus der Langhe zeigt sich immer mehr, dass die einst als minderwertig angesehene Barbera das Zeug hat, zu einem weiteren Star der Region zu werden. Ein Barbera d’Alba eines hierzulande eher unbekannten Gutes hat mich fasziniert. Und noch mehr: Auch die Nebbiolo’s von Palladino sind Spitze, nur hat das bisher fast niemand gemerkt. Ausser Falstaff, der den Spitzenbarolo mit 97 Punkten adelt.
Hand auf’s Herz: Wenn Sie die zwanzig bekanntesten Barolo-Produzenten aufzählen müssten – wäre dann Palladino dabei? Wohl eher kaum. Das Gut kommt nicht einmal in einer Liste von 42 Produzenten vor, die Falstaff vor wenigen Jahren online stellte.
97 und 96 Punkte bei Falstaff – da lohnt es sich, hinzuschauen!
Allerdings düfte sich das nun ändern, denn im Falstaff Wineguide 2025 bekommt Palladino 4 von 5 Sternen, und die Riservas San Bernardo erhalten sagenhafte 97 Punkte, die Ornato deren 96 – auch ältere Jahrgänge. Und selbst der Barolo Commune di Serralunga d’Alba, also kein Lagenwein, erzielt noch hervorragende 94 Punkte. Selbst, wenn man die generell eher hohe Benotung von Falstaff in Betracht zieht, solche Bewertungen sind ein Adelsschlag!

100 % Familienbetrieb.
Höchste Zeit also, sich mit diesem Weingut zu befassen: Die Geschichte des Gutes geht auf das Jahr 1974 und auf Piero Palladino zurück. Er wuchs in der Langhe auf und studierte Önologie, arbeitete dann aber anderswo. Als er die Chance hatte, ein Weingut in Serralunga zu erwerben, griff er in seiner Heimat zu. Die Weinkeller befinden sich in einem alten historischen Gebäude und liegen mitten in Serralunga. Die Leitung übergab er seinem Cousin und Partner Maurillo, der das Gut zusammen mit seiner Frau Domenica führte. Inzwischen arbeitet bereits die nächste Generation im Betrieb – alle fünf Kinder sind in irgendeiner Form tätig (Quelle: Homepage von Palladino sowie Weinkultur Ernst, AT). Palladino ist also ein lupenreiner Familienbetrieb geblieben.
Die Paradelagen des Gutes sind San Bernardo, Ornato und Parafada in Serralunga, aus welchen auch die entsprechenden Lageweine kommen. Nebst Nebbiolo werden aber auch Barbera und Dolcetto produziert, zudem sind Gavi und Moscato d’Asti im Angebot.
Auch die „kleineren“ Nebbiolo-Weine überzeugen absolut – auch im Preis.
Ich konnte den Nebbiolo d’Alba 2020 sowie den Barolo Commune di Serralunga d’Alba 2019 probieren und war begeistert. Beides sind reintönig fruchtige Weine mit viel Eleganz und Tiefe, der Nebbiolo mit eher hellen, der Barolo mit etwas dunklerer Frucht und mehr Dichte – und beide mit einer auffälligen, tolle Frische. Für CHF/Euro ca. 22.00 und 40.00 dürfte es schwer sein, viel Besseres in der Langhe zu finden. Der Barolo stammt aus verschiedenen Lagen in Serralunga mit einer Gesamtfläche von 2 Hektar, der Nebbiolo d’Alba von einer Parzelle mit 0,6 Hektar mit einer sehr hohen Pflanzendichte von 9000 Stöcken.
Ein traumhafter Barbera.
Besonders fasziniert hat mich auch der Barbera d’Alba Superiore „Bricco delle Olive“. Dieser Wein wird aus Trauben einer 1 Hektar grossen Parzelle in Ost-/Südost-Lage auf 330 m.ü.M. gewonnen, mit ebenfalls hoher Planzendichte von 8500 Stöcken. Dieser Barbera zeigt, dass auch in dieser Sorte sehr viel Potential steckt. Das Schöne an einem sehr guten Barbera wie diesem ist die tolle, intensive Frucht und „Saftigkeit“. Der Bricco delle Olive glänzt aber zudem mit einer umwerfenden Frische und für einen Barbera erstaunlich viel, aber sehr feinem Tannin. Kurzum, auch diesen Wein finde ich grossartig, süffig und rund, aber trotzdem mit viel Tiefgang.

Barbera d’Alba Superiore Bricco delle Olive, 2020, Palladino
Mittleres, glänzendes Rubin; tolle Frucht nach Walderdbeeren, Himbeeren und Kirschen, dazu etwas Würze (Thymian) und ganz dezent etwas Rauch; enorme Frische im Mund, für einen Barbera sehr viel, aber sanftes Tannin, schöne Säure, im langen Abgang fruchtbetont und „saftig“. Ein überaus trinkfreudiger und zugleich komplexer, toller Barbera. 17,5 Punkte.
Cantina | Palladino | Serralunga d’Alba
Bezugsquelle CH:
Shop – VINOTTI
Und mehr zur grossartigen Sorte Barbera hier bei mir:
Weinsorte der Zukunft – mit wunderbaren Weinen in der Gegenwart! – Victor’s Weinblog
Interessennachweis:
Die Weine wurden aufgrund einer Empfehlung meines Weinfreundes Otto Hintermeister (www.vinotti.ch) käuflich bei ihm erworben.