Einbahnstrasse Pestizide? Gift im Wein – ganz aktuell heute im „Kassensturz“.

Es passt zeitlich perfekt zu meinem Beitrag von gestern über das Piwi-Buch von Fredi Strasser: Der „Kassensturz“ berichtete heute Abend darüber, dass in 75 % der untersuchten Schweizer Weine – und in allen konventionell produzierten- Rückstände von Pestiziden gefunden wurden. Und er weist auf Piwi-Sorten hin, welche die Lösung sein können. Und was tut gleichzeitig der „Conseil Interprofessionnel du Vin de Bordeaux“ (CIVB)? Er verklagt eine örtliche Organisation auf Schadenersatz, welche Labortests von Bordeaux-Weinen offen legte! Umdenken begänne im Kopf … und am Kopf.

Beruflich bin ich gerade damit beschäftigt, die zu hohen Werte von Chlorothalonil-Metaboliten im Grund- und damit teilweise Trinkwasser zu erklären – und gesundheitlich zu relativieren. Diese stehen seit Kurzem in Verdacht, krebsergebend zu sein, und deshalb hat der Bund neue, sehr tiefe Höchstwerte für das Trinkwasser erlassen. Die Stoffe stammen von einem jahrzehntelang in der Landwirtschaft angewandten, seit 2020 verbotenen Fungizid (Anti-Pilz-Mittel). Tatsächlich dürfte niemand, der aktuell „Wasser ab dem Hahnen“ trinkt, gesundheitlich wirklich gefährdet sein. Gleiches gilt mit einiger Wahrscheinlichkeit auch für Rückstände von Fungiziden, Bioziden und Herbiziden, wie sie im Wein gemessen werden. Die vom Kassensturz untersuchten Weine lagen denn auch bei allen Stoffen (ausser den verbotenen natürlich) unter den gesetzlichen Höchstwerten. Aber ob nicht einzelne der Wirkstoffe auch in kleinen Mengen gesundheitsschädigend sind, wissen wir wohl erst in einigen Jahrzehnten. Ebenso, ob nicht die Kombination vieler kleiner „Höchstwertüberschreitungen“ problematisch sind.

Und gerade solche „Gift-Cocktails“ fanden sich gemäss „Kassensturz“ (ein populäre Schweizer Konsumentensendung) in den konventionell angebauten Weinen, und zweimal eben zudem verbotene Mittel! Bloss alle drei Bio-Weine waren ganz „sauber“.

«Kassensturz»: Pestizide in Schweizer Wein – Medienportal – SRF

Mit diesem kurzen Blog-Beitrag will ich aber vor allem darauf hinweisen, dass es sich Winzer imagemässig wohl immer weniger werden leisten können, pestizidbelastete Weine auf den Markt zu bringen. Ich habe mich dazu in Zusammenhang mit Glyphosat schon einmal geäussert:
Glyphosat: für Winzer auch ein Imagerisiko! – Victor’s Weinblog

Lassen Sie es mich an einem Beispiel erläutern. Einer meiner liebsten Weissweine, er stammt aus Bordeaux und ich habe ihn hier auch schon beschrieben und gelobt, wurde von der Organisation „alert aux toxique“, welche nun vom CIBV eingeklagt wurde, getestet. Und so lese ich in den Resultaten, dass er erhebliche Mengen eines Fungizides (gegen Botrytis) enthält. Rational weiss ich natürlich, dass ich kaum gleich sterbe, wenn ich die Flaschen, die noch in meinem Keller liegen, trinke. Und vermutlich habe ich auch schon viel stärker belastete Weine „genossen“. Aber macht das wirklich noch Spass? Wenn ich künftig in den Keller steige, werde ich das nie ausblenden können. Mein lieber Schwan, das macht einfach keine Freude – und nicht einmal zum Kochen mag ihn noch brauchen, das käme ja auf das Gleiche heraus!

Starker Auftritt von Robin Haug
Immerhin: Winzer Robin Haug aus Weiningen, bis vor Kurzem im Nebenamt auch Geschäftsführer des Branchenverbandes der Deutschschweizer Winzer, hat das Kassensturz-Interview besser gemeistert als mancher CEO! Und er hat zu recht auch darauf hingewiesen, dass es sich beim Rebbau um eine träge Branche handelt (träge in dem Sinne, als Neupflanzungen Zeit brauchen und man nicht einfach einen Schalter drehen kann), und dass auch der Konsument mitmachen muss, wenn eine naturnahe Weinwirtschaft gelingen soll. Umdenken beginnt im Kopf – auch bei uns Konsumenten!

Riesen-Spritze im Einsatz (Bild aus … Pauillac, Bordeaux)

Hier noch der Hinweis auf die erwähnte Geschichte aus dem Bordelais:

Chemie-Einsatz beim Weinanbau: Schmutziger Tropfen – taz.de

https://alerteauxtoxiques.com/

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