Ein grossartiger Carménère der Weingärtner Lauffen: Best of Chile mitten in Württemberg!

Fast unglaublich, was die Genossenschaft aus Lauffen am Neckar aus der Sorte Carménère in die Flasche gebracht hat: Ein Wein, der sowohl typisch als auch eigenständig ist, und der sich auch neben Spitzenweinen aus Chile gut macht! Und das alles zu einem Freundschaftspreis!

In einer Blinddegustation mit deutschen Weinen stach kürzlich ein Gewächs hervor, das mich augenblicklich an Chile erinnerte. Das muss Carménère sein, das kann nur Carménère sein! Seit einer Chile-Reise in diesem Frühjahr habe ich da eine Affinität; ich liebe diese Rebsorte. Mehr dazu können Sie gerne in einem früheren Beitrag über Carménère nachlesen (Link am Schluss), hier nur soviel: Carménère ist eine natürliche Kreuzung zwischen Moural und Cabernet Franc und stammt aus Bordeaux. Ihre neue Heimat fand sie aber in Chile, wo sie heute so etwas wie die Nationalrebe ist. Dies allerdings erst seit drei Jahrzehnten, denn die Sorte wurde vor einer DNA-Analyse im Jahr 1994 für eine Varietät der Merlot gehalten!

Gibt es Carménère in Württemberg? Ein Lehrstück zur KI.

„Carménère wird in Württemberg nicht angebaut, da …“. Das sagte die KI-Funktion von Google zum Anbau dieser Rebsorte. „Liebe KI, du liegst falsch“, hatte ich dann im Entwurf zu diesem Beitrag vermerkt! Und ganz offenbar war die KI dann sehr schnell lernfähig, denn der gleiche Aufruf zwei Tage später ergab neu das Resultat: „Carménère ist in Württemberg keine typische oder häufig angebaute Rebsorte …. aber es gibt einige Winzer, wie beispielsweise die Lauffener Weinwerkstatt, welche diese Sorte anbauen“.

Wein aus grossartiger Landschaft: Mundelsheimer Käsberg.

Tolle Landschaft, toller Wein: Die Neckarschlaufe vom Mundelsheimer Käsberg aus gesehen (Foto: commons.wikimedia.com, R. kaelke [Rainer Kaelke])

Die Lauffener Weingärtner, das ist eine Genossenschaft mit rund 1100 Mitgliedern und einer bewirtschafteten Fläche von etwa 890 Hektar, davon 120 in Steillagen. Die heutige Grösse erreichte das Unternehmen durch eine Fusion mit der Genossenschaft von Mundelsheim im Jahr 2012. Die Mundelsheimer brachten auch Flächen im „Käsberg“ mit in die neue Genossenschaft, eine voll nach Süden ausgerichtete, amphitheaterähnliche Steillage über einer Schleife des Neckars etwas südlich von Heilbronn. Und hier wachsen auch Carménère-Reben!

Hält mit den besten Weinen aus Chile mit.

Der daraus gewonnene Wein ist eine Sensation! Ich fragte kürzlich einen Régisseur eines Spitzengutes aus Bordeaux, warum das Château die Carménère nicht im Mischsatz habe. Die Antwort war kurz und klar: „Diese Sorte reift im Médoc nur selten wirklich aus“!

Und dann das: Carménère aus Mundelsheim, ganz und gar ohne unreife Noten und von grosser Klasse! Einerseits in Nase und Mund sehr sortentypisch, andererseits aber auch eigenständig durch mehr Eleganz als Kraft, ein cool climat-Carménère! Der Wein begeistert mich! Ich habe ihn neben dem Viña Koyle Royale Carménère Los Lingues Colchagua 2022 probiert, einem Wein aus Chile, der nicht gerade Spitzenklasse ist, aber doch ein hohes Niveau aufweist und dem James Suckling 93 Punkte verteilt hat. Das Resultat war verblüffend: Ich habe den Wein aus Württemberg sehr klar bevorzugt, er ist frischer, fruchtiger und eleganter (wenn vielleicht auch etwas weniger dicht). Der Carménère der Lauffener Weingärtner würde bestimmt auch neben den allerbesten aus Chile eine gute Figur machen!

Das Beste kommt zum Schluss: Euro 12.90!

Die Lauffener bzw. Mundelsheimer Weingärtner haben da in einer Steillage einen wunderbaren Wein produziert. Das tönt schon ziemlich verrückt. Noch verrückter ist aber der Preis: Dieser Carménère ist für Euro 12.90 erhältlich! Man muss wohl sehr weit suchen, um zu diesem Preis etwas Besseres zu finden! Hut ab vor dieser Genossenschaft und ihrer Kellercrew sowie diesem Winzer am Neckar!

Degustationsnotiz:

Carménère, Mundelsheimer Käsberg trocken, deutscher Qualitätswein, 2023
Mittleres Rubin mit violettem Einschlag; sehr fein und breitschichtig würzig, ebenso breit gefächerte, rote Fruchttöne (Heidelbeere, Johannisbeere und ein Anflug von Himbeere), Grüntee; ausgesprochen elegant und rund, sehr fein gesponnene, im hinteren Teil des Mundes leicht grün wirkende Tannine (was aber für diese Sorte typisch ist), schöne, saftig wirkende Säure, wirkt samtig, die minimale Restsüsse (1,3 g) passt sehr gut und stört nicht, sondern macht ihn im Abgang wunderbar rund. Ein rundum gelungender Wein! 17,5 Punkte.

Links:

Website der Lauffener Weingärtner:
Lauffener & Mundelsheimer Wein – Prämierte Weingenossenschaft

Direkter Link zum Wein:
Lauffener Weinwerkstatt Carménère QbA tr. – Lauffener Weingärtne

Link zu meinem erwähnten Artikel über Carménère aus Chile:
Carménère: Bordeaux‘ verlorene Tochter in Chile wiederentdeckt. Und wie! – Victor’s Weinblog


Interessennachweis:
Der Wein wurde zuerst an einer Blinddegustation, zu der ich eingeladen war, degustiert. Danach habe ich den Wein käuflich bei den Lauffener Weingärtnern erworben und zuhause nachdegustiert. Zum Glück habe ich noch einige Flaschen im Keller!


Ein Gedanke zu “Ein grossartiger Carménère der Weingärtner Lauffen: Best of Chile mitten in Württemberg!

  1. Christian Gebhart

    Hatte den Wein auch im Glas. Ja, wirklich ein toller Tropfen! Viel Charakter, viel dunkle Frucht, präsente Säure und wie oben beschrieben leicht herbe/grüne Note im Abgang (für mich sehr positiv!). Der minimale Hauch von Restsüsse (im Sinne von Extraktsüsse spürbar) macht ihn richtig „trinkig“. Bin seit über 25 Jahren Fan dieser Sorte mit dem sehr eigenständigen Charakter. Damals hatte mir jemand im Mövenpick Bern erzählt (und kurz zuvor in einem Vinum Artikel gelesen), dass sie in Chile jetzt die Etiketten (überall mit Merlot) umändern mussten. Eigentlich erstaunlich, dass das bis in die 90er Jahren niemandem richtig aufgefallen ist.
    Schön, dass es jetzt auch einen Produzenten in Deutschland gibt! Chateau Carmérère (sic!) in Bordeaux kann ich auch empfehlen. Dort sind im Mischsatz zwischen 10 und 20 Prozent dieser Sorte enthalten. Zusammen mit Petit Verdot, so Produzenten aus dem Bordelais, bilden sie das „Salz“ und „Pfeffer“ bei den Cuvées. Prosit und Gruss, Christian

Kommentar verfassen