Die beiden Altmeister der schreibenden bzw. fotografierenden Weinszene haben es wieder getan und ein neues Weinbuch herausgegeben: „Baden – meine Weinheimat“. Es hebt sich wohltuend von üblichen Weinbüchern ab. Prädikat: perfektes Weihnachtsgeschenk!
Rudi Knoll hatte mich schon vor einigen Monaten darauf aufmerksam gemacht, dass sein neues Weinbuch erschienen ist. Gerade rechtzeitig vor Weihnachten habe ich es mir nun auch besorgt – und ich bin fasziniert.

Spannende Hintergründe zu führenden Weingütern.
Rudi Knoll hat ein Buch geschrieben, das so ganz anders ist als herkömmliche Weinbücher bzw. -führer. Es gibt keine einzige Degustationsnotiz, dafür wunderschöne Hintergrundgeschichten über die vertretenen Weingüter. Spannend, wie Knoll beispielsweise erzählt, warum es in Durbach (Andreas und Alexander Laible) und in Schlatt/Bad Krozingen (Fritz und Martin Wassmer) jeweils zwei Brüderpaare gibt, die je ein eigenes Weingut führen und sich damit nicht nur konkurrenzieren, sondern auch gegenseitig antreiben – und trotzdem gerne miteinander Grillen und Wein trinken. Oder, dass Fritz Keller schon mal bei Huber in Malterdingen vorbeischaut, mit der Begründung, er wolle wieder mal etwas Gutes probieren. Und auch, warum manche Anrufer gleich das Telefon wieder aufhängen, wenn Edeltraud Ziereisen abgenommen hat.
Ein Rebsortenführer der besonderen Art.
Das ist aber nur der eine Teil. Sehr interessant sind auch die Einführungstexte in die jeweiligen Regionen (ich schäme mich, aber mir war bisher nicht bewusst, dass die deutsche Bodensee-Seite sowohl Teile von Baden als auch von Württemberg umfasst (nebst ein wenig Bayern, natürlich). Und dazu werden auch die wichtigsten Rebsorten von Baden portraitiert, womit das Buch zu einem Sortenführer wird, was es auch für Einsteiger in die Weinwelt interessant macht. Kreativ sind die Foto zu den einzelnen Sorten. Dargestellt wird immer ein Glas, in welchem sich Früchte, Kräuter, Blumen und Gewürze befinden – genau jene, welche in der Sorte typischerweise vorkommen.
Herrliche Landschaftsbilder von hohem künstlerischem Wert.
Und von wegen Fotos: Das Buch lebt auch von ganz aussergewöhnlich stimmigen Aufnahmen von Armin Faber. Die Bilder aus den Weingütern sind kreativ und die Landschaftsfotos von hohem künstlerischem Wert. Eines dieser Fotos zum Träumen zeigt sogar das Meer – auch wenn es „nur“ das Schwäbische ist.

Ein Bild als Hommage an das Ehepaar Ziereisen.
Mein persönliches Lieblingsbild ist allerdings personenbezogen. Es zeigt das Ehepaar Ziereisen in einer Umarmung im Hof ihres Weinguts, umgeben von einer Skulptur, welche ebenfalls ein Paar darstellt. Feinfühliger kann man wahrscheinlich nicht festhalten, warum Ziereisen zu den allerbesten Weinadressen Deutschlands zählt: Hanspeter ist der kreative Kopf, welcher aussergewöchnliche Weine schafft – aber ohne Edeltraud als Unterstützung an seiner Seite hätte er die heutige qualitative Höhe kaum erreicht.
Diese Aufnahme allein lohnt den Kauf des Buches. Aber ganz generell, wer sich nur ein wenig für badische Weine interessiert und mehr über führende Produzentinnen und Produzenten erfahren will, sollte sich dieses Buch beschaffen – oder es eben auch als Weihnachtsgeschenk für eine weinaffine Person bestellen.
Rudi Knoll/Armin Faber: Baden, meine Weinheimat. 8 grad verlag, Freiburg, ISBN 978-3-910228-46-7
Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag:
Baden – Meine Weinheimat: Menschen, Reben und Weine aus Deutschlands größtem Weinanbaugebiet
Interessennachweis:
Das Buch wurde mir vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt.
Die Autoren selbst kenne und schätze ich seit langer Zeit, auch wenn wir uns seit rund drei Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben. Insbesondere mit Rudi habe ich fast drei Jahre zusammengrarbeitet und ihn dabei als höchst verlässlichen Partner kennengelernt, der aber auch immer hochprofessionelle und kreative Artikel abgeliefert hat. Genau so, wie im vorliegenden Buch, das ich auch nur deshalb hier beschreibe.