Der Deutsche Rotweinpreis von Vinum ist eine Institution und zeigt immer ein aktuelles Abbild der Qualität der Rotweine Deutschlands. Und diese ist, zumindest an der Spitze, grossartig! Die Resultate sind schon bekannt, aber am kommenden Samstag steigt noch die grosse Gala in Bad Neuenahr. Ein Muss für Freunde des deutschen Rotweins!
Es war bereits die 38. Auflage des deutschen Rotweinpreises, welche die Weinzeitschrift Vinum in diesem Herbst durchführte. Die seinerzeit von Vinum-Urgestein Rudi Knoll ins Leben gerufene Veranstaltung ist bei der heutigen Vinum-Crew in besten Händen geblieben und ist aus der Weinwelt nicht mehr wegzudenken. Ich hatte das Privileg, an dieser Verkostung als Jurymitglied teilnehmen zu dürfen.

Logistische Höchstleistung von Vinum
1254 Weine wurden zum diesjährigen Wettbewerb eingereicht. Die damit verbundene riesige logistische Herausforderung wurde von Vinum mit Bravour bestanden. Die Weine wurden – während zweieinhalb Tagen (!) – in einer ersten Runde jeweils an Dreiertischen, alle geleitet von einem Mitglied des Vinum-Teams, blind degustiert, beschrieben und benotet. Für mich spannend war, dass die Beurteilung eines Weines im wechselnden Dreiergremium immer sehr nahe zusammen lag; nur selten war eine Diskussion notwendig.
Blind heisst wirklich blind und bleibt blind bis zum Schluss!
Blind degustieren ist bei Vinum nicht nur ein leeres Wort! Die Flaschen waren eingepackt und alle verräterischen Spuren wie etwa Kapseln wurden entfernt. Bekannt waren jeweils nur die Weinkategorie und das Anbaugebiet (sowie, in Kategorien, die mehrere Sorten zusammenfassten, die Rebsorten). Blind blieb auch blind, wir wussten auch nach der Benotung nicht, welchen Wein wir im Glas hatten.
Dass die Weine in jener Phase anonym bleiben mussten, liegt auf der Hand und spricht weiter für die Seriosität von Vinum: Die besten kamen nämlich danach in den Final, und da wäre es natürlich unfair, wenn man einen Wein wiedererkennt, von dem man auch noch weiss, wer ihn hergestellt hat.
Das Fazit: Grossartige Weine an der Spitze!
Und das Fazit der diesjährigen Ausgabe des Rotweinpreises? Die qualitative Spitze der deutschen Rotweine ist schlicht und einfach grosse Klasse! 16 der Weine knackten die Marke von 95 Punkten und können damit auch weltweit zur Spitze gezählt werden, 156 Weine erreichten 92 oder mehr Punkte, womit über 12 % aller eingereichter Weine eine so erfreulich hohe Bewertung erhielten.
Reell und erfreulich im Mittelfeld.
Zudem konnten auch viele weitere Weine gefallen. Bei den Spätburgundern war die Preisspanne aufgrund der Gruppierung bekannt, und man darf festhalten, dass sehr viele Weine als äusserst reell bezeichnet werden dürfen. Alles in allem also ein sehr erfreuliches Bild der deutschen Rotweine.
Ernüchternd ganz am Schluss.
Freilich gab es auch das Gegenteil. Es wurden einige Weine eingereicht, bei denen wir uns am Tisch die Frage stellten, wie ein Winzer nur auf die Idee kommen konnte, einen so – Entschuldigung – schlechten Wein an diesen Wettbewerb einzureichen. Eine Antwort darauf fanden wir nicht, aber vielleicht sind solche Weine und Winzer auch mit ein Teil der Erklärung für die aktuelle Krise des Weinbaus.
Zurück zum Erfreulichen: Die Weingüter, welche auf der Siegerliste stehen, gehören zweifellos zur Cème de la Crème des deutschen Weinbaus, auch wenn einige der renommiertesten Güter leider gar keine Weine eingereicht haben. Aber das ändert nichts daran, dass die Gewinner des deutschen Rotweinpreises von Vinum ganz an der Spitze Deutschlands stehen – und eben auch weltweit mithalten können.
Der Gesamtsieger: 43 % Zweigelt, 38 % Cabernet Sauvignon!
Fast ein bisschen sensationell ist lediglich der Gesamtsieger des Wettbewerbs. Gemeint ist damit nicht der Produzent, Albrecht Schwegler aus Korb in Württemberg, sondern die Zusammensetzung des Siegerweins Cuvée Granat 2020: 43% Zweigelt, 38% Cabernet Sauvignon, 13% Merlot, 6% Cabertin! Die deutsche Rotweinwelt ist – positiv – in Bewegung!
Die grosse Vinum-Gala: Ab nach Bad Neuenahr – es lohnt sich!

Am kommenen Samstag steigt nun in Bad Neuenahr die grosse Vinum-Gala zum Rotweinpreis. Nachmittags können die Siegerweine an einer Publikumsverkostung zu einem sehr bescheidenen Eintrittspreis verkostet werden (Euro 20.00 bzw. 25.00 an der Tageskasse). Am Abend schliesslich kann man ein Galaessen mit Weinbegleitung geniessen, auch da ist der Preis der Leistung absolut angemessen. Es empfiehlt sich wirklich, diesen Anlass zu besuchen!
Links:
Ausschreibung der Rotweingala und Ticketbestellung in Bad Neuanahr am 29.11.2025:
Deutscher Rotweinpreis 2025 | VINUM
Der Bericht in Vinum und die Siegerliste (und auch die weiteren Noten) des Rotweinpreises. Ich konnte es als Abonnent nicht testen, aber ich nehme an, der Beitrag befinde sich hinter der Paywall. Aber allein dafür lohnt sich ein Vinum-Abo! (Nicht zuletzt auch deshalb, weil es sich lohnt, eine Zeitsschrift zu unterstützen, welche eine solche Monster-Degustation als Schaufenster für den deutschen Wein überhaupt organisiert – und das notabene zu einem mehr als bescheidenen Unkostenbeitrag pro eingereichtem Wein).
Die Sieger des Deutschen Rotweinpreises 2025 | VINUM
Interessennachweis:
Wie beschrieben, durfte ich an der Jurierung der Weine während 2 1/2 Tagen teilnehmen und dabei Kost und Logis geniessen. Weitere Entschädigungen gibt es nicht, und auch keine finanziellen Interessen. Ich finde einfach cool, was Vinum macht.