Für die perfekte Weinlagerung genügt ein rundes Loch! Mit etwas Design rundherum.

Für die Lagerung der Weinschätze gibt es wohl fast so viele Lösungen wie es Weinfreunde gibt – vom billigen Holzgregal aus dem Supermarkt bis zu luxuriösen Gestellen. Einen neuen Weg geht Archivino – hier wird das ganze Prinzip umgekehrt und die Flaschen halten am Hals. Spannend und erst noch schön!

Die Geschichte geht eigentlich auf einen Weinkellerbau zurück. Erwin Spengler war auf der Suche nach schönen Gestellen bzw. einem gestalterisch überzeugenden Kellerkonzept. Seine Suche war erfolglos, und so tüftelte er selbst an einem System, um seine feinen Tropfen aufzubewahren. Dabei wurde ein neues Konzept geboren – nämlich die Halterung am Flaschenhals.

Geniales Prinzip – ein Blickfänger, platzsparend und in jeden Keller integrierbar. (Foto zvg)

Weil dieses Konzept und dessen Design im Bekanntenkreis Gefallen fand und sich die Nachricht so wie ein Wasserring verbreitete, produzierte Spengler in der Folge für manchen Weinkeller seine Lagergestelle. Das blieb aber vorerst nur ein Hobby, beruflich arbeitete er als Pilot von Geschäftsflügen. Die Pandemie liess dieses Business einbrechen, und so wagte Spengler zusammen mit einer Geschäftspartnerin den Schritt in die Selbständigkeit mit seinen Gestellen, die ab jetzt „Archivino“ hiessen.

Erwin Spengler von Archivino im Show-Keller vor einem Rollgestell. Optisch überzeugend und noch platzsparender. (Weitere Bilder siehe ganz unten im Artikel)

Freier Blick auf alle Etiketten und kein Stress beim Dekantieren

Das Prinzip ist eigentlich einfach: In ein Brett werden runde Löcher in der richtigen Grösse gebohrt. Der Radius ist ein präzise definiertes Profil, welches dem Flaschenhals Halt gibt und so geformt ist, dass die Flasche nicht auf einer Kante, sondern sanft auf einer Tangente aufliegt.

Das Brett wird nun in genügendem Abstand von einer Wand festgemacht – fertig ist das Gestell. Die Flaschen können nun einfach mit dem Flaschenhals in einem der Löcher eingehängt werden – that’s all! Die Aussparungen sind dabei so clever angebracht und leicht versetzt, dann man trotz platzsparenden Abständen einen freien Blick auf jede Etikette hat. Und einen sehr angenehmen Nebeneffekt hat diese Lagerung zudem: Ein allfälliges Depot sammelt sich aufgrund der leicht schrägen Lage der Flaschen unten an einer Ecke des Flaschenbodens, womit das Dekantieren wesentlich einfacher wird.

Der Methusalem-Test mit Markus Utiger und andere verrückte Prüfungen

Wer nun Angst hat, das könne doch nicht funktionieren bzw. da würden doch Flaschen rausfallen: Es gibt da einen lustigen Film auf der Homepage von Archivino, in dem die Flaschen diversen Belastungen ausgesetzt werden. Fazit: Selbst die verrückteste und roheste Berührung bringt die Flaschen nicht zu Fall!

Funktion (archivino.ch) (Film beim Titel „Sicherheit“)

Und auch das Flaschengewicht spielt keine Rolle, auch die protzigst-schwerste Flasche mit süditalienischem Brummerwein wird locker getragen. Kürzlich erfolgte gar ein Test mit einer Methusalem-Flasche des Sommeliers und Spitzenwinzers Markus Utiger (6 Liter zuzüglich Flaschengewicht entsprechend ca. 10 Kg). Selbst, nachdem noch ein zusätzliches Gewicht von nochmals 10 Kg angehängt wurde, hielt die Flasche.

Nun wäre Erwin Spengler nicht der tüftelnde, dienstleistungsorientierte Geschäftsmann (ehemals Geschäftsflieger, da muss jeder Kundenwunsch erfüllt werden), wenn er das Prinzip mit den Löchern im Holz nicht weiterentwickelt hätte. Im Angebot finden sich standardmässig (aber immer auf das genaue Mass im Keller) inzwischen auch Holzbretter auf Rollgestellen, welche extrem platzsparend erstaunlich viele Flaschen aufnehmen können. Ich habe das mal auf meinen eigenen, sehr kleinen Keller umgerechnet: Mit dem Prinzip Archivino brächte ich locker doppelt so viele Flaschen unter. Aber das wäre ja viel zu teuer – nicht der Gestelle (die sind nicht billig aber mit sieben bis acht Franken pro Lagerplatz doch erstaunlich preiswert), sondern der Flaschen wegen.

Fast jeder Wunsch ist erfüllbar – selbst ein Marmorkeller wird perfekt bestückt

Darüber hinaus werden auch andere Kundenwünsche erfüllt. Kürzlich durfte Archivino in einer europäischen Hauptstadt ein in die Wohnung eingebautes Weinlager ausrüsten. Dieses ist stilvoll mit einer Marmorverkleidung gebaut worden, und damit das auch voll zur Geltung kommt, durfte kein Holz eingesetzt werden. Die Lösung: runde Löcher in einer Plexiglasplatte, womit der ganze Raum einsehbar bleibt!

Hier ein Beispiel für die Wirkung von Plexiglas (rechts). Und auch mit „Shou Sugi Ban“ (kontrolliert verkohltes, und deshalb fast unendlich haltbares Holz nach japanischer Tradition) ist Archivino lieferbar (links).

Die Holzbearbeitung (europäisch, FCS-zerfiziert) und die CNC-Fräsungen werden von Schreinereien in der Schweiz und im grenznahen Deutschland ausgeführt. Sämtliche Metallarbeiten und die Konfektion erfolgen in der eigenen Werkstatt in Flurlingen, am Zürcher Ufer des Rheins.

Praktisch und schön – nicht nur für „Flaschen-Exhibitionisten“

Fazit: Ich finde Archivino nicht nur eine spannende Geschichte, sondern auch ein wirklich geniales Aufbewahrungssystem, das auch designmässig überzeugt. Und deshalb schreibe ich heute auch mal nicht über einen Wein, sondern um das Drumherum. Das ist wie beim Loch für die Flaschenhälse – es braucht auch noch etwas Zusätzliches dazu!

Dass nicht jedermann das so sehen muss, liegt in der Natur der Sache. So soll ein nicht ganz unbekannter Weinpapst diese Weinlagerung als geeignet für „Etiketten-Exhibitionisten“ bezeichnet haben. Sei’s drum – ihm selbst liegt offenbar der Exhibitionismus mit Bordeaux-Kisten näher. Und ganz am Rand: Archivino hat auch dafür ein Auszugselement gestaltet, aus dem sich die Flaschen mit einem direkten Griff in die Kisten problemlos entnehmen lassen.

Wenn die Bordeaux-Kiste mal offen ist, wirkt das doch viel besser! (Bild zvg)

http://www.archivino.ch

Inermediäre gesucht

Falls sich jemand aus der Leserschaft, z.B. Weinhändler/in oder Innendekorateur/in, für eine Zusammenarbeit interessieren sollte. Archivino wäre für Intermediäre offen.


Interessennachweis: Erwin Spengler schrieb mich vor einiger Zeit an. Es sei doch schade, wenn ein Weinblogger, der quasi vor seiner Haustüre wohne, sich nicht auch einmal ein Bild von Archivino mache. Die mitgelieferten Bilder bzw. das Prinzip und das Design faszinierten mich, so dass ich ihn kürzlich in seinem Showroom in einem der schönsten Kellern von Schaffhausen besuchte. Es bestehen keinerlei geschäftliche oder finanzielle Verbindungen bzw. Interessen.

Weitere Bilder:

Das Basismodul: Ganz einfach auch im Selbstbau zu befestigen. (Bild zvg)
Hier noch ein Beispiel für das Rollgestell, welches aus engem Raum eine sehr hohe Flaschenzahl fasst. (Bild zvg)

2 Gedanken zu “Für die perfekte Weinlagerung genügt ein rundes Loch! Mit etwas Design rundherum.

  1. Ralph Schneider

    Sehr interessant!! Die Flaschen hängen auf den Photos teils ziemlich schräg. Hat der Wein keinen Kontakt zum Korken? Grüße Ralph

    Gesendet von Outlook für iOShttps://aka.ms/o0ukef ________________________________

    1. Ich habe diese Frage an den Hersteller von Archivino weitgergeleitet und publiziere nachstehend gerne seine Stellungnahme:

      Die kurze Antwort:
      Ja, der Kork ist jederzeit in Kontakt mit dem Wein.

      Die ausführliche Antwort:
      In ARCHIVINO Regalen lagern die Flaschen mit einer Neigung von 11°.

      Bei Flaschen mit einer starken Schultern (z.B. Bordeaux Flaschen) und bei mittlelstark ausgeprägten Schultern
      (z.B. Burgunder Flaschen) liegt die Luftblase in dieser Wölbung, der Kork ist somit vollständig bedeckt.
      Interessant wird es bei Flaschen mit langem, konischen Hals (z.B. Riesling Flaschen), hier zeigt sich die Luftblase oben am Hals.

      Unsere Versuche haben sich daher auf diesen Flaschentyp fokussiert. Durch den flachen Winkel reicht der Wein dennoch immer an den Korken, selbst bei jahrzehntelange gereiften Weinen mit tiefem Füllstand. Unsere Tests haben gezeigt, dass selbst bei einem Abstand von 8 cm zwischen Korkboden und Weinspiegel
      (im aufrechten Zustand gemessen) der Wein im geneigten Zustand immer im Kontakt mit dem Kork ist.
      Bei einem so niedrigen Füllstand ist aber damit zu rechen, dass der Inhalt durch den Schwund und damit einhergehende Oxidation keine Freude mehr macht.

      Wein ist eine adhesive Flüssigkeit, selbst bei Kontakt an nur einem Punkt benetzt der Wein den ganzen Korken. Durch den Kapillareffekt wird der Zapfen vollständig mit Feuchtigkeit versorgt. (Wie bei einem Brett, das an einer Ecke in einer Pfütze liegt; das Holz saugt sich voll, bis es durgehend feucht ist.)

      Wir haben diesen Sachverhalt mit Prof.Dr. Rainer Jung von der Hochschule in Geisenheim besprochen, er ist DER Fachmann für Weinlagerung und Weinverschlüsse. Herr Jung hat uns bestätigt, dass die Aufbewahrung mit einer Neigung, wie sie bei ARCHIVINO angewendet wird auf Dauer die bestmögliche Wein-Lagerung überhaupt darstellt.

      Wir durften für Weinbaubetriebe in Deutschland schon Familien-Weinarchive mit 50 Jahre alten Flaschen installieren,
      auch hier ist der gereifte Wein noch immer einwandfrei im Kontakt mit dem Korken.

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