Alles, nur nicht wegkippen: Drei grossartige Zürichsee-Weine von Erich Meier.

Der Zürichsee mit seinen schönen Süd/-Südwestlagen und seinem ausgleichenden Klima ist eines der spannenden Weinbaugebiete in der Deutschschweiz. Auch wenn der Siedlungsdruck lange die Reben verdrängt hat, sind bis heute schöne Weinlagen erhalten geblieben. Und damit grosse Namen wie Schwarzenbach, Schipf, Lüthi, Höcklistein und Weber. Alle wären einen Beitrag wert, aber heute berichte ich nur über Erich Meier – der Winzer mit den nach unten gekehrten Flaschen!

Puristische, spannende Etiketten für tolle Weine. Warum die Flaschen nach unten zeigen, muss ich noch ergründen. Ganz sicher ist es kein Aufruf zum Wegkippen – diese Weine sind nur zum Geniessen da!

Als Weinblogger hat man es ja im Moment auch nicht gerade einfach: Alle Degustationen der Winzer und Händler fallen aus, und damit auch das früher gewohnte, fast unerschöpfliche Reservoir an Entdeckungen abseits der bekannten und vielleicht schon im Keller lagernden Weine. Natürlich ist das jetzt Jammern auf extrem hohem Niveau, aber trotzdem ist man dann auch dankbar für eher zufällige Anregungen.

Aktuell bin ich beruflich wieder einmal etwas am Zürichsee tätig, und auf der Heimfahrt besuchte ich deshalb ein Feinkostgeschäft an der „Goldküste“. Der Grund war eigentlich, schönen Käse einzukaufen, aber dann gab es da auch eine kleine, aber feine Weinauswahl. Von Erich Meier hatte ich schon diverse Weine probiert und für gut befunden, aber so richtig auseinandergesetzt damit bisher nicht. Die drei gekauften Weine, ein Räuschling, ein Viognier und ein Pinot noir, haben mich dann aber sehr überzeugt.

Erich Meier hat das Weingut um die Jahrtausendwende von seinem Vater übernommen und erfolgreich auf Selbstkelterung umgestellt. Heute sind auf knapp sieben Hektar neun verschiedene Rebsorten angepflanzt, welche sehr naturnah bewirtschaftet werden. Seit einigen Jahren werden die Weine auch auf der Naturhefe vergoren. Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn Degustationen wieder möglich sind – dann wird man mich ganz sicher in Uetikon antreffen (und auch bei den anderen Winzern am „Zürisee“).

Räuschling 2018
Helles, blasses Gelb; Anflug von Mirabellen und exotischen Früchten, Anflug von Vanille; dichter Körper mit schöner Säure, spürbare Restsüsse, rund und „fliessend“, langer Abgang. Vielleicht nicht jedermanns Sache, aber eine freche, sehr gelungene Variante eines Räuschlings. 16 Punkte (= gut im obersten Bereich).

Viognier 2019
Helles Gelb; feine, unaufdringliche Düfte nach Aprikosen und Ananas; dichter Körper, tolles Spiel von knackiger Säure mit einer leichten Spur von Süsse, leichter Bittertouch, mittlerer Abgang. Schöner, typischer Viognier. Nach jenem der Cantina Barbengo
Cantina Barbengo: Grossartige Weissweine aus dem Tessin! – Victor’s Weinblog der beste, den ich aus der Schweiz bisher im Glas hatte. 17 Punkte. (sehr gut).

Pinot noir „Kirche“, 2019
Eher helles Rot; helle Fruchttöne (Himbeer, Weichselkirsche), florale Töne (Anflug von Flieder), dezent spürbares Holz; im Mund eher filigran, ungemein ausgewogen, mineralisch, schöne Säure, feine, erst im Abgang richtig spürbare Tannine, auch der Alkohol ist erst im „burgundisch-feurigen“, extrem langen Abgang spürbar. Ein Wurf! 18 Punkte (ausgezeichnet).

Ein grossartiger Pinot noir aus einer isolierten Lage bei der Kirche Uetikon, der erst seit dem Jahrgang 2017 produziert wird. Allerdings auch zu einem „Goldküsten-Preis“ von CHF 58.00 (wobei er verglichen mit qualitativ ähnlichen Weinen dann wieder nicht teuer ist …)

Weingut Erich Meier

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